In unserem westlichen Nachbarland, dem Königreich Belgien, herrscht seit nun fast genau einem Jahr einen Regierungskrise. Mehr noch, das Land steht seit nunmehr 12 Monaten ohne eine gewählte Regierung da. Für die Ursachen dieser Krisen machen sich die Parteien und die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gegenseitig verantwortlich. Die Gefahr, dass sich Belgien in einen flämischen und einen wallonischen Staat aufspaltet, ist mit Händen zu greifen. Das Land trägt den äußerst fragwürdigen Titel eines Weltmeisters als Staat ohne Regierung. Mitte Juni des Jahres 2010 wurde zwar gewählt, aber mehr als eine geschäftsführende Regierung konnte nicht gebildet werden. Nicht nur die Politiker sind ratlos, aus Studentenkreisen wurde zu einer “Frittenrevolution” aufgerufen. Nunmehr hat Belgien dem Irak den Titel eines Landes mit der längsten Periode ohne Regierung abgenommen und es sieht so aus, als solle dieser Vorsprung weiter ausgebaut werden. Der vor einem Jahr abgewählte Regierungschef Yves Leterme ist immer noch geschäftsführend im Amt, was soll man auch weiter machen ?
Die belgischen Wahlen kranken grundsätzlich daran, dass es keine gesamtbelgischen Parteien gibt. In Flandern gibt es nur flämische Parteien, diesen gegenüber stehen die frankophonen Parteien in der Wallonie. Ein zentrales Streitthema jedoch ist die Sozialversicherung. Die flämischen Parteien wollen die Sozialversicherung aufteilen und versprechen sich dadurch Vorteile für Flandern. Damit würde aber die gesamtstaatliche Solidarität aufgekündigt werden. Die Aufteilung Belgiens wird von den flämischen Parteien nicht offen propagiert, aber es pfeifen die Spatzen von den Dächern, dass dieses Ziel zum Wunschdenken dieser Leute gehört.
Die Regierungskrise treibt die Menschen auf die Straßen. Die hier Demonstrierenden kommen aus beiden Teilen des Landes, denn es ist ihnen zunehmend peinlich, dass Belgien sich vor der Weltöffentlichkeit lächerlich macht. Die jungen Leute haben sich ganz ungewöhnliche Formen des Protestes einfallen lassen. So wollen einige die Hosen herunter lassen, andere wiederum wollen öffentlich eine Gerichtsverhandlung abhalten, wieder andere aus Protest gratis Fritten unter den Leuten verteilen. Es bleibt abzuwarten, ob der Unmut der Einwohner des Landes die Politiker dazu bewegen kann, wieder eine handlungsfähige Regierung zu bilden.